Sonntag, 22. September 2013

Smartphonitis

Das Smartphone. Der neuste Virus, unbemerkt von 90% der Menschheit. Untergräbt das System von innen. Raubt Augen, Aufmerksamkeit, Verstand. Rebell, sprengt ganze Partys. Wo früher getanzt wurde, sitzt man heute in der Ecke und liked den Post von seinem Nebenmann. Die Party steigt virtuell.
Anna: „Voll tighte Party bei Klausbernd“ mit Hannah, Lisa, Tobias, Klausbernd und Murat hier: Klausbernds Wohnzimmer. 6 Leuten Gefällt das. 4 Kommentare: Anna: Julian ist auch dabei. Lisa: Haha, Tobi und Julian gehen voll ab“ Tobias: Yolo! (4 Leuten gefällt das) Hannah: Warum ist Julian nicht markiert? Anna: Julian hat kein Facebook xD Klausbernd: …und ein Nokia 3510i :D Murat: o.O (2 Leuten gefällt das)
Somit steht Julian zwar körperlich und geistig mitten im Leben, tanzt sich wahrscheinlich einen Wolf in Klausbernds Wohnzimmer, aber zu der wirklichen Party, fehlt ihm die Eintrittskarte in Form eines betouchscreenten Mobiltelefons, welches einem die Pforten zu Welt Nummer 2 öffnet, die häufig schon Welt Nummer 1 von ihrem Platz vertrieben hat. Sicher, sein Telefon kann telefonieren, Sms versenden und aus dem 18ten Stock eines Wolkenkratzers auf Stahlbeton fallen ohne sich auch nur einen Kratzer zu holen, aber das ist in Annas tightem Partyposting nur ein müder xD-Smiley wert.
Es geht doch nichts über ein Handy, was sich beim draufsetzen sofort die sogenannte Spiderman-App holt, was man stündlich aufladen muss, was minütlich pfeift, weil irgendwelche Whattsapp nachrichten angekommen sind und sich auch sonst seine Aufmerksamkeit einholt. Tamagotchi 2.0. Und es wird jeden kriegen. Noch ärgert jeder, der bei klarem Verstand ist, sich über die immer mehr werdenden Smartphonezombies, die sich aus dem Gespräch ausklinken weil irgendwas vibriert, gedüdelt oder eventuell geblinkt hat, die einen wilden Blick bekommen, sobald keine Steckdose in greifbarer Reichweite ist, die 3 Stunden auf Festivals anstehen, um ihrem Mobiltelefon das zu geben was es will: Saft. Und Aufmerksamkeit. Aber sobald man einmal die vorzüge eines Smartphones genossen hat „Endlich kann ich von unterwegs aus meine Bahnverbindung googlen und muss nicht mehr auf den Plan gucken“ will man sie nicht mehr missen.
Zombiewalk hat bald nicht mehr Flashmob- sondern Alltagscharakter.
Apocalypse now!

Gesehen in Ottensen

Kommentare:

  1. Achja,.....ich bin immer noch altmodisch mit meinem Nokia-keineAhnungwasfüreineNummer - unterwegs und bin glücklich, dass ich "nur" Sms´en und telefonieren kann ;-)

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    1. Dem schließe ich mich an- und finden den Post hier von Ann- Sophie goooooooßartig!

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  2. Ich verreise auch immer noch gerne ohne Ladegerät und da mein Handy (wie auch immer es heißt) regelmäßig Bekanntschaft mit dem Boden schließt, wird das hoffentlich auch noch eine Weile weitergehen.

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  3. Haha! Toller Post! Genauso isses!
    Ich habe noch ein uraltes Gerät und auch keine Sehnsucht nach einem Smartphone.

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  4. Jetzt stellt sich mir doch eine Frage: Hast du ein Smartphone? ;)

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    1. Liebe Maya.
      Nein, ich besitze selber keines, deswegen kann ich auch noch sagen, dass ich den Umgang, den die meisten damit pflegen ganz ganz furchtbar finde und das alles echt überhand nimmt.
      Ich weiß aber auch, dass ich wahrscheinlich selber nicht anders wäre und werde mir unter anderem deswegen auch keines zulegen. Ich möchte nicht diejenige sein, die irgendwann nicht mehr eingeladen wird, weil sie bei der letzten Party die ganze Zeit am daddeln war =)
      Ich bin auch der Meinung, dass man einfach nicht überall aufs Social Network oder etwas allgemeiner, aufs Internet zugreifen können muss. Aber die Prioritäten sind einfach bei jedem anders.
      Ich habe jetzt auch kein Uralt-Handy, meines kann fotografieren, darüber bin ich sehr froh, weil eine Kamera habe ich jetzt auch nicht immer zur Hand.
      Liebe Grüße, Ann-Sophie

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    2. Ich muss dir wirklich in den meisten Punkten recht geben, allerdings muss man bei dem Erwerb eins Smartphones keinen Vertrag unterschrieben, in dem es eine Klausel gibt, die einen zu solch einem Verhalten verpflichtet ;)
      Ich spreche da von mir und, zum Glück, einigen Ausnahmen die ich kenne. Um jetzt mal nur für mich zu sprechen: Ich wollte meines nicht mehr missen, da es mir doch (ernsthaft!) sehr geholfen hat, vor allem das Navigationssystem :D Ohne das wäre ich nach meinem Umzug vollkommen aufgeschmissen gewesen und hätte vermutlich zwölf Millionen Liter Sprit verfahren auf der Irrfahrt zu meinem Ziel!
      Also, das war defintiv mal ein sehr großer Vorteil! ;)

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  5. Ich muss zugeben: Ich hatte mal Internet auf meinem (viel zu langsamen, da zu alten) Mobiltelefon. Das hat mir aber ganz und gar nicht gefallen, muss ich sagen. Twitter, Facebook und Co. können, nein sollen warten, bis ich zu Hause am Rechner sitze, aber mich bitte nicht unterwegs nerven.

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  6. Was für ein guter Post! Das hast du super geschrieben und auch ich finde es furchtbar, wenn bei Gesprächen, Partys usw. alle nur noch auf ihre Smartphones starren. Ich habe zwar selbst auch eins, mir aber selbst die Regel gesetzt, nicht darauf zu starren/tippen/..., wenn ich mit jemandem unterwegs bin oder mich gerade im Gespräch befinde. Für mich eine gute Zwischenlösung: spaßige Beschäftigung bei Bahnfahrten allein oder Hilfe in "Notsituationen" (eine Minute vorher Bahnverbindung von Aue nach Leipzig heraussuchen), aber keine Ablenkung, wenn man mit Anderen unterwegs ist.

    Alles Liebe und danke auch für deinen lieben Kommentar in meinem Blog,
    Laura

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  7. Danke für diesen Artikel! Du einfach soo recht.
    Ich habe auch ein wenig Angst davor, dass ich so werden könnte, wenn ich erstmal ein Smartphone habe - mich reizen halt so praktische Aspekte, dass man zwischendurch mal was googlen kann, Bahnverbindungen raussuchen kann, Navigation und soetwas. Facebook u.ä. brauche ich unterwegs nicht, aber bestimmt würde ich auch das nutzen, wenn ich die Möglichkeit hätte. Man kennt sich ja.
    Mein aktuelles Handy ist zwar auch schon mit Touchscreen ausgestattet und internetfähig, aber das ist zum Glück viel zu langsam, als dass es jemals Spaß machen könnte. So wird mein Handy also hauptsächlich als Wecker / Uhr, ganz selten auch für Schnappschüsse und auch relativ selten zum telefonieren oder SMSen genutzt.

    Ich finde es auch einfach unhöflich, wenn mir jemand gegenüber sitzt, der nur auf dem Handy rumtippt. Seltenst werden da ja wirklich wichtige Dinge geklärt.
    Interessant finde ich ja auch, dass bei uns in der Schule auch schonmal während der Stunde die Handys an die Steckdose angeschlossen werden. Akkuleistung ist was anderes...

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  8. Danke, dass ich nicht allein (und, wie "Andere" meinen mögen, verrückt) bin mit meiner Ansicht die Wischi-Wischi-Phones betreffend!
    Ich weiß nicht mal wie mein altes Finnenteil "heißt", aber ich weiß dass es mir noch 1.000 mal über die Betonstufen purzeln und sich in seine sämtlichen Bestandteile auflösen kann, um nach dem Zusammenbau fröhlich weiter zu funktionieren.
    Außerdem hat es eine integrierte Raubüberfallsverhinderungsautomatik: Wer mich mit diesem Ding in der Hand in der U-Bahn oder auf der Straße sieht, hat höchstens Mitleid mit mir (so deute ich zumindest den Blick vieler wenn ich mein Handstück auspacke) und schlägt mir sicher nicht die Rübe ein, um es mir in einer einsamen Gasse zu entwenden.
    Und PS: Mein 9-1/2jähriges Kind besitzt, im Gegensatz zu vielen seiner gleichaltrigen Schul- und Spielkameraden, kein eigenes Tastending, schon gar kein wischbares. Und so wird es auch die nächsten paar Jahre bleiben – bei ihm wie auch bei mir!

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